In den meisten Fällen gehen einem erfolgreichen Fischtag die Suche und das Finden nach den Fischen voraus, gleichgültig, ob vom Ufer oder auf dem Wasser gefischt wird. Um auf Dauer Erfolg zu haben, ist es sehr wichtig, die Fische zu finden. Die Aufenthaltsorte der Felchen sind je nach Jahreszeit verschieden. Die Fische leben in einem dreidimensionalen Raum und deshalb ist die Suche manchmal mehr als schwierig! Dies ist der Versuch einer Erklärung, der meine Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu Grunde liegen.
Für die Fische bildet die wichtigste Grundlage zur Existenz neben dem Wasser der Sauerstoffgehalt in den Gewässern. Die einzelnen Arten stellen unterschiedliche Ansprüche daran. Die Coregonen, zu denen gehören auch die Felchen, stellen mitunter die höchsten Ansprüche. Es ist wissenschaftlich belegt, dass im Wasser verschieden viel Sauerstoff gelöst werden kann und diese je nach Temperatur schwanken kann. Die Temperatur ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Suche nach den Fischen. Im warmen Wasser wird weniger Sauerstoff gelöst als in kaltem Wasser und dies ist die Ursache dafür, dass Fische die einen hohen Anspruch an den Sauerstoffgehalt stellen, hauptsächlich im kalten Wasser leben. Eine weitere Studie belegt, dass die Felchen innerhalb einer Bandbreite von 2-22 Grad, die durchschnittliche Temperatur von 12 Grad bevorzugen. Diese Bereiche in einem Gewässer zu finden, an denen die entsprechenden Temperaturen vorkommen, entscheiden über den Erfolg auch Fische zu fangen.
Liegen die Temperaturen ausserhalb der Toleranzgrenzen, werden diese Abschnitte gemieden, auch wenn sie einen hohen Gehalt an Nährstoffen aufweisen. Im Sommer, wenn grosse Temperaturen herrschen, sind die Felchen mit Sicherheit niemals in den flachen Uferzonen zu finden, weil ganz einfach die Temperaturen zu hoch sind. Die Felchen halten sich lieber in tieferen Wasserzonen auf und vorwiegend in Tiefen, die 16-18 Grad nicht übersteigen. Diese Temperaturen lieben auch die Insekten, die in Puppenform an die Wasseroberfläche steigen. Ein reichhaltiges Insektenvorkommen ist der perfekte Anziehungspunkt für die Felchen. Felchen leben hauptsächlich in den Tiefen der Seen, dass heisst für den Gambe/Hegenefischer, dass sie über die Temperaturverhältnisse die dort vorherrschen Bescheid wissen sollten.
Die Temperaturverhältnisse im Freiwasser unterliegen eigenen physikalischen Gesetzen. Gehen wir mal von einer Wasseroberflächentemperatur von 0 Grad aus. Bei dieser Temperatur gefriert Wasser und es bildet sich eine dünne Eisschicht an der Wasseroberfläche. Je tiefer wir messen, desto wärmer wird das Wasser und das liegt daran, dass Wasser mit einer Temperatur von 0 Grad eine weniger hohe Dichte hat und demzufolge leichter ist. Die Grösste Dichte hat Wasser mit 4 Grad und ist deshalb am schwersten. Das heisst, dass Wasser mit 4 Grad auf den Grund absinkt und sich weiteres Wasser, je nach grösserer Kälte darüber schichtet, bis hinauf zur Wasseroberfläche. Auf diese weise stabilisiert die Natur den Wasserkörper in unseren Seen. Kaltes und leichtes Wasser bleibt an der Oberfläche, warmes und schweres Wasser bleibt unten und wird somit nicht weiter abgekühlt. Die Felchenfischer, die den Saisonstart am 01.01. beginnen, wissen das und suchen die Felchen auf dem Gewässergrund. Im Winter ist es am Grund am wärmsten und deshalb halten sich auch dort die Fische auf. Manch einer wird nun den Widerspruch herausgelesen haben, schrieb ich doch zu Anfang von kühlen, sauerstoffreichen Regionen im See suchen. Diese Regel gilt immer noch, doch nicht für den Winter. Die Temperaturspanne beträgt im Winter 0-4 Grad und das Sauerstoffbindungsvermögen ist in diesen Bereichen praktisch gleich gross, sowie die Sauerstoffanreicherung bei diesen Temperaturen im gesamten als schlecht bezeichnet werden kann.
Von besonderem Interesse für den Gambe/Hegenefischer ist die Entwicklung der Temperaturschichten sobald die Lufttemperatur die 0 Grad Grenze übersteigt. Bis es soweit ist und sich das Oberflächenwasser nicht erwärmt, gilt die Regel, am Gewässergrund ist es wärmer als an der Oberfläche. Diese Wasserschichtungen sind im Winter typisch. Je nach Umwelteinflüssen kann dieser Zustand bis in den Frühling hinein anhalten. Diesem Umstand können auch die meist zu Anfangs Saison vorkommenden, bescheidenen Fangergebnisse zugeschrieben werden. Die Felchen stehen meist bis Mitte April in der Tiefe, dort, wo das Wasser mit 4 Grad zu dieser Jahreszeit am wärmsten ist. Für viele Seen bedeutet dies, dass sich die Felchen vorwiegend am Gewässergrund, in einer Tiefe zwischen 20m-25m aufhalten.
Mit zunehmender Erwärmung im Frühling, beeinflusst durch die Sonne und der Luft, beginnt sich der Wasserkörper zu verändern, man spricht von einer Umwälzung. Das Oberflächenwasser erwärmt sich auf 4 Grad und es herrscht ein Zustand von absoluter Temperatur Gleichheit und gleicher Wasserdichte. In diesem Zustand der Gleichheit kann sich das Wasser nun Umwälzen, dass heisst, unterstützt durch kräftige Winde wird sauerstoffreiches Wasser von der Oberfläche in die Tiefe und sauerstoffarmes Wasser nach oben gespült. In dieser für das Gewässer und deren Bewohner lebenswichtigen Phase sind die Felchen meist nur schwer zu finden, einen genauste Kenntnis des Gewässers ist meines Erachtens zwingend!
Von nun an erwärmt sich das Oberflächenwasser und es bilden sich erstmal zwei Schichten. Die Wissenschaft bezeichnet die Obere Schicht als Epilimnion und die Untere als Hypolimnion. Die Grenze zwischen diesen beiden Schichten ist verschwommen und ineinander übergreifend, diese wechselnden Bereiche von warm und kalt nennt man Sprungschichten. In den Sprungschichten ist das Wasser sauerstoffreicher als in den Tiefen und demzufolge sind dort auch die Felchen zu finden. Der Bereich der Sprungschicht betrifft senkrecht nur wenige Meter und darin halten sich sowohl Plankton, Puppen (bei der Ruhephase im Aufstieg), sowie die Fische auf. Die Felchen fressen nun im Zwischenwasser (Schwebe) und es ist von Vorteil, wenn man sie mit Hilfe eines Fishfinders suchen darf. Die Sprungschichten sind je nach Gewässer, Jahreszeiten und Witterungsverhältnissen unterschiedlich gelagert. Ein allgemeinverbindlicher Erfahrungswert sind Tiefen von 10m-20m Wassertiefe.
Im Hochsommer, wenn sich die Sprungschichten immer mehr dem Gewässergrund nähern, sind die Felchen wieder auf dem Grund, oder in 1m-3m über dem Gewässergrund zu fangen. In dieser Phase beissen die Felchen am besten, einerseits liegt das sicher an den mehr als ergiebigen Nahrungsquellen in Form von Plankton und Benthos, sowie an der Tatsache der im Spätherbst bevorstehenden Laichgeschäften. Mit zunehmender Abnahme der Wasseroberflächen Temperatur setzt im Herbst bei Wassertemperaturgleichheit erneut eine Wasserumwälzung ein. Diese finden ihren Höhepunkt und beenden den Kreislauf der Natur an dem Punkt, an dem wir zu Anfang in winterlichen Verhältnissen gestartet sind.