„Lasst die Nymphen tanzen“, dieses Zitat hat in keiner anderen Fischereiart soviel Bedeutung wie beim Felchenfischen. Gehen wir dieser Aussage einmal auf den Grund und wie bei so vielem hat die Geschichte ihren Anfang in der Vergangenheit.
Nymphen (griechisch: Nymphe, Braut, Jungfrau) sind niedere Naturgottheiten oft Töchter des Zeus, im weiteren Sinne wird die Bezeichnung auch für Priesterinnen gebraucht. Die Nymphen sind schöne, junge Mädchen, die sich in freier Natur mit Reigentanz, Gesang und Spiel beschäftigen. Mitunter sind die Nymphen Begleiterinnen von Göttern die in freier Natur wirken. Sie galten als die vorwiegend wohltätigen Geister der Gewässer, Berge, Bäume, Wiesen und Grotten. Sie spendeten Segen und Fruchtbarkeit, konnten den Menschen jedoch auch gefährlich werden (Wasserknappheit, Dürre, Waldbrände). Geräuschvolle Tätigkeit der Menschen meiden sie. Nymphen galten als sterblich wie die Menschen, haben allerdings eine viel längere Lebensdauer, bis hin zur fast Unsterblichkeit. Der Übergang zwischen den Nymphengruppen ist fließend. Vielfach wurde eine bestimmte Nymphe einem bestimmten Gewässer oder Ort zugeteilt. Viele Sagen sind mit Nymphen verbunden, die in alten, Kulturen verehrt wurden (an Altären und in Höhlen). Sie erhielten von der Landbevölkerung unblutige Opfer und Geschenke.
Die Nymphen umgibt von je her eine mystische Aura und genau so verhält es sich auch, wenn der Felchenfischer von seinen Nymphen spricht. Vieles ist wissenschaftlich belegt, die Metamorphose dokumentiert und jahrelange Studien haben längst den Beweis für deren Richtigkeit angetreten.
Wenn der Fischer seine Felchen auf dem Gewässergrund fängt und von Nymphen spricht, meint er die auf dem Grund lebenden Larven in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien. Fängt er die Fische im Zwischenwasser und spricht von Nymphen, so sind die Puppen gemeint, die als Imago (fertiges Insekt) oder als Subimago (Insekt vor der letzten Entwicklungsstufe) an die Wasseroberfläche streben. Ob auf dem Gewässergrund oder auf ihrem Weg an die Wasseroberfläche, die Nymphen sind Lebewesen und sie haben eine spezielle, ihnen eigene Art der Fortbewegung. Diese Bewegungsmuster zu kennen und sie zu imitieren bringt den Fischer einen Schritt näher zum Erfolg. Der Lebensraum und das verhalten der Nährtiere unserer Fische gehört zu dem faszinierendsten was die Tierwelt zu bieten hat. Einerseits spielt sich zumindest für das menschliche Auge alles im Dunkeln ab und zum anderen sprechen wir hier von Kleinstlebewesen.
Die Zuckmückenlarven bewegen sich in rhythmischen S-Bewegungen vorwärts. Sie steigen aus dem Schlamm am Gewässergrund hoch um zu fressen oder um sich von der Strömung treiben zu lassen. Haben sie neue Nahrungsgründe gefunden, lassen sie sich wieder auf den Grund sinken und verstecken sich vor Fressfeinden im Sediment. Die Larven sind in der Lage für ihren Auftrieb ein Gas zu produzieren, ihre Vor- und Rückwarts Bewegungen steuern sie durch Zuckungen ihres Leibes, was einem S gleichkommt. Die Larven der Eintagsfliegen halten sich dichter am Grund auf und bewegen sich schwimmend vorwärts. Viele Arten ernähren sich räuberisch und fangen mit dieser Methode ihre Beute. Dies alles spielt sich knapp 1m–1.50m über dem Gewässergrund ab.
Bevor die Puppen an die Wasseroberfläche steigen, produzieren sie ein Gas und füllt damit die Puppenhaut. Dieser Zustand verleiht den Nymphen einen glänzenden Effekt. Die Puppen steigen mit zuckenden, pumpenden Bewegungen an die Wasseroberfläche. Auf ihrem Weg nach oben legen sie Pausen ein um sich zu erholen oder eine günstigere Strömung abzuwarten. Auch spielen die Wetterverhältnisse an der Oberfläche eine Rolle, ob sich ihr Weg hinauf verzögert.
Es spielt keine Rolle wo der Felchenfischer seine Fische fangen möchte. Ob auf dem Gewässergrund oder in der Schwebe im Zwischenwasser. Haucht er durch feine Bewegungen der Rutenspitze seinen Nymphen Leben ein, imitiert er das natürliche Geschehen unter Wasser treffender. Das Heben und Senken der Rutenspitze sollte nicht nur von A nach B führen und zurück. Es gilt zwischendurch einen Stopp einzulegen, die Rutenspitze darf ruhig einen Moment zittern und vor dem weiteren Weg nach B ruhig einmal wieder den halben Weg zurück nach A. Vielfach lauern die Felchen ihrer Beute an der selben Ausgangsstelle (die Tiefe in der die Fische stehen) auf und wenn dann unsere Nymphen an der Gambe/Hegene in diesen Bereich kommen und auch das Bewegungsmuster stimmt, wirken sie für die Fische unwiderstehlich. Alle diese Bewegungen müssen mit bedacht ausgeführt werden. Ruhig, besonnen und überlegt und immer die Vorstellung vor Augen was sich in den Tiefen der Gewässer abspielt.
Wer einmal sehen möchte wie sich eine künstliche Nymphe im Wasser verhält kann dies testen im dem er die Nymphe, angeknüpft an einem Stück Nylon, in ein durchsichtiges mit Wasser gefülltes Glas hält und die verschiedenen Bewegungen imitiert. Es ist gut zu erkennen, dass sich die Nymphe beim Heben streckt und beim Senken regelrecht schwebt. Beim Zittern kann man erkennen wie sie ins Schaukeln gerät und so dem verhalten des natürlichen Ebenbilds perfekt nahe kommt.
Wenn tausende von Larven zum fressen aus dem Schlamm aufsteigen oder um sich in neue Jagdgründe zu begeben, wenn unzählige Puppen dem Sonnenlicht entgegenstreben um aus ihrer Haut zu schlüpfen und als geflügelte Insekten die Welt zu bevölkern, gleichen die Bilder einem Tanz:
Dem Tanz der Nymphen!
geschrieben am: 05. August 2006 / RR
Ich Danke Günther Schmaus für die einzigartigen Bilder zu diesem Bericht. Weitere geniale Fotos: http://www.killi-foto.de/