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Der Mythos Nymphe


Schwarze Schwarzkopfnymphe mit RippungNymphen, dass unerschöpfliche Thema aller Felchenfischer. Erfolge werden der perfekten Nymphe zugeschrieben, Misserfolge den Ungeeigneten. Fängige Nymphen von gestern bringen heute keinen Erfolg, letztjährige wenig eingesetzte Muster sind plötzlich aktuell und werden genommen. Der eine lobt die Farbe, der andere die Form und wieder ein anderer meint die Grösse sei ausschlaggebend für gute Fänge. Die einzigen die von dieser Unsicherheit einen Nutzen haben sind die Händler, deren Angebot Jahr für Jahr mit neuen Mustern erweitert wird. Viele Felchenfischer sind so gut ausgerüstet, dass sie ohne Problem einen schwunghaften Handel mit ihren Gamben/Hegenen betreiben könnten. Ich kenne Fischer, die eine Tasche mit mehreren hundert verschiedenen Gamben/Hegenen ans Wasser mitschleppen und schlussendlich vor der Qual der Wahl stehen. Ich möchte jedoch klar stellen, dass der Erfolg dieser Fischer, den Durchschnitt nicht übersteigt. Die grosse Auswahl ist zumindest kein Garant für den Erfolg.


Rote Schwarzkopfnymphe mit RippungEine gute Nymphe muss folgenden Ansprüchen genügen: Sie muss auf einem Top Haken gebunden sein. Die verwendeten Materialien müssen den Bedürfnissen entsprechen. Die Nymphe muss perfekt gebunden werden. Diese drei Merkmale sind entscheidend für die Fängigkeit und Haltbarkeit der Nymphe. Entscheidend ist auch die Qualität des Materials, aus welchem die Nymphe gebunden wird. Für den Körper wird oft Floss verwendet, was sich sehr bewährt hat. Als Bindeseide sind Perlon oder ähnliche Kunstfasern die Favoriten. Form und Haltbarkeit hängen von der perfekten Bindeweise ab. Nymphen deren Körper sich auf dem Haken drehen sind ungeeignet. Ich habe selber jahrelang ein Grosses Sortiment an Gamben/Hegenen für zwingend gehalten und durch ständig neue Muster versucht meinen Erfolg zu verbessern. Heute bin ich zu der Auffassung gekommen, dass das Thema Nymphen überbewertet wird. Ich beschränke mich deshalb heute auf wenige Muster, was Form und Farbe betrifft, ohne das mein durchschnittlicher Erfolg geschmälert wurde. Eine vernünftige Selbsteinschränkung vereinfacht vieles und die Wahl wird nicht zur Qual.


Violette Schwarzkopfnymphe mit RippungKeine noch so perfekt gebundene Nymphe kann dem natürlichen Insekt das Wasser reichen und es ist deshalb müssig nach ständig neuen, die Natur bis ins kleinste Detail nachahmenden Mustern zu suchen. Die natürliche Nymphe wird der künstlichen immer überlegen sein. Auf jeden Fall ist die Möglichkeit mit einer perfekten Darbietung der Nymphe mit einem weniger geeigneten Muster zum Erfolg zu kommen grösser, als mit einer perfekten Nymphe und einer schlechter Präsentation. Das heisst aber nicht, dass die Wahl der Nymphen ohne Bedeutung ist, es geht darum die Dinge etwas zurechtzurücken. Die Auswahl geeigneter Nymphenmuster ist keine Geheimwissenschaft, die nur wenigen Berufenen zugänglich ist, vielmehr lassen sich einige allgemeine Grundregel aufstellen. Die Form, die Farbe und die Grösse müssen ins Schema passen und der Fischer ist auf dem richtigen Weg zum Erfolg.


Blaue Glaskopfnymphe GlitzerfadenViele Felchenfischer messen Nymphen mit grösseren Haken eine höhere Fängigkeit zu, ich behaupte das Gegenteil ist der Fall. Grosse Haken sind oft beim Felchenfischen die Ursache für Fehlbisse. Das Maul der Felchen ist klein und nehmen die Fische den Köder nicht besonders gierig, sitzt der Haken weit vorne in der Lippe und die Gefahr den Fisch durch ausschlitzen zu verlieren ist gross oder der Anhieb geht von vornherein daneben. Wie bereits geschrieben, komme ich heute mit einem kleinen Sortiment an Gamben/Hegenen aus, ausserdem bin ich der Auffassung das gewisse bindetechnischen Raffinessen aus dem Blickwinkel der Felchen gar nicht wahrzunehmen sind. Viel eher erregt die Aufmerksamkeit der Fische der Kopf, der Körper, die Farbe, der Umriss und die Bewegungen der Nymphen.


Rote Glaskopfnymphe GlitzerfadenMir ist aufgefallen das Felchen in Gewässer mit grossem Insektenbestand ihre Nahrung kritischer auswählen, hingegen in nahrungsarmen, beliebige Nymphenmuster vorbehaltlos nehmen. Diese Feststellung bezieht sich sowohl auf die Grösse als auch auf die Bindeweise der Nymphen. Die Sternstunden der Beissfreudigkeit führen einen in Versuchung der sorgfältigen Auswahl der Nymphen keine Bedeutung zuzumessen oder aber dem gerade fängigen Muster für alle Zeit den Vorzug zu geben. Diese Folgerungen sind Falsch und meist folgt die Ernüchterung auf den Fuss, die eben noch fängige Nymphe wird nicht mehr genommen. Tatsache ist, dass die Zeitspanne der ausserordentlichen Beissfreudigkeit begrenzt und nicht alltäglich ist. Solche Tage der Felchenfischerei zwingen uns zum Wechsel der Gambe/Hegene und zu Experimenten. Wenn am Ende einer Erfolgsserie unsere Nymphen auf Ablehnung stossen, ist es Zeit für ein anderes Muster. Manchmal müssen wir auch hinnehmen, dass wir heute nicht mehr zum Erfolg kommen.


Rosa Glaskopfnymphe GlitzerfadenSolche Perioden sind immer wieder zu beobachten und diese Situationen lassen sich auch dadurch nicht ändern, wenn wir den Felchen ständig neue Muster anbieten. Die Frage nach der richtigen Nymphe ist vielschichtig und einen universellen Geheimtipp gibt es nicht. Dazu kommt noch der psychologische Aspekt des Fischers. Es bedeutet schon mal viel, wenn man von vornherein Grosses Vertrauen in seine Nymphen hat. Jeder Felchenfischer hat sicher seine Lieblingsnymphen an die er Glaubt und die er für besonders fängig hält. Auch ich bin nicht frei von dieser Art Vorurteil, fische ich doch zu 90% mit einigen wenigen Mustern, die ich über Jahre getestet habe und der Erfolg mir immer wieder Recht gab. Gerade die Unterschiedlichkeit der Verhältnisse und der daraus entstehend Zwang sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, machen den Reiz der Felchenfischerei aus.


geschrieben am: 17. Juni 2006 / RR




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