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Die Felche


Die Felche gehört zu den Coregonen. Bei den Felchen gibt es viele örtliche Unterarten und um bei dieser Vielfalt nicht den Überblick zu verlieren unterscheiden wir in zwei Gruppen. Die Schwebfelchen und die Bodenfelchen.


Die Felche


Da sich die Schwebfelche von kleinsten Organismen (Plankton) ernährt und die Bodenfelche grössere Nahrung zu sich nimmt (Nymphen, Fischlaich/Brut) unterscheidet man sie am einfachsten an den Kiemen. Der Fischer kann an der Anzahl und Länge der Kiemenreusendornen Schwebfelchen oder Bodenfelchen unterscheiden. Die Kiemenreusendornen bei den Planktonfressern (Schwebfelchen) sind länger und dichter um das Plankton herauszufiltern. Mit den drei übereinander liegenden Kiemenbögen filtriert die Felche das Wasser, tierisches Plankton bleibt in den Reusendornen hängen und wird durch die Kehle in den Magen befördert. Mit Sicherheit bleiben auch Zuckmückenpuppen in diesen Dornen hängen und es ist wissenschaftlich belegt, dass Felchen gezielt Nymphen aus dem Plankton herauslesen.


Die Kiemenreusenapparate der Schweb- und Bodenfelchen


Schwebfelche (Planktonfresser)
Planktonfresser


Bodenfelche (Raubfelche)
Raubfelche


Die Körpermerkmale der Felchen sind ein Silberglänzender, Langgestreckter, seitlich abgeflachter Körper. Sie haben einen spitzigen, kegelförmigen Kopf und eine tief eingekerbte Schwanzflosse. Ihre Seitenlinie ist vollständig. Zwischen Rücken- und Schwanzflosse besitzen sie eine Fettflosse. Die Mundöffnung ist klein und reicht höchstens bis zum vorderen Augenrand. Die Felchen haben kleine Zähne, bei einigen Arten sind diese jedoch völlig zurückgebildet. Durch die grosse Artenvielfalt der verschiedenen Populationen, ist es schwer die einzelnen Fische genau zu bestimmen.

Die meisten Felchenarten laichen im Spätherbst und im Winter bei Wassertemperaturen unter 7°C über Sand- oder Geröllgrund. Die Laichablage, die in mehreren Portionen erfolgt, nimmt in der Regel etwa zwei Wochen in Anspruch. Die Eier können sowohl über den grössten Tiefen im freien Wasser als auch in Ufernähe abgelegt werden. Entweder sinken sie zu Boden oder bleiben an Pflanzen haften. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach 2-4 Monaten. Das Wachstum der Jungfische ist abhängig von dem Nahrungsangebot. In Mitteleuropa sind Felchen die "Brotfische" der Berufsfischer. Im Zuge der gestiegenen Nährstoffkonzentrationen in den Seen verbesserte sich die Ernährungssituation der Felchen. Gleichzeitig verschlechterten sich jedoch ihre Fortpflanzungsbedingungen, weil die sich auf dem Seegrund entwickelnden Eier aufgrund der niedrigen Sauerstoff-Konzentrationen abstarben. Deshalb werden heute Felchen in Brutanstalten künstlich ausgebrütet und mit frisch geschlüpften Larven oder mit Plankton gefüttert. Nach erfolgreicher Aufzucht werden die Jungfische in die Seen zurückgesetzt.

Die Felche hält sich in mittleren und größeren Seen des Alpen und Voralpengebietes auf, wo sie sich im freien Wasser aufhält. Sie bevorzugt sauberes, sauerstoffreiches Wasser, in dem sie ausreichend Nahrung findet. Gewässer die nicht wärmer als 18° C werden sind optimale Habitate, in denen eine Felche bis zu sieben Jahre alt werden kann. Im Durchschnitt erreicht eine ausgewachsene Schwebfelche eine Grösse von 35-40cm, während eine Bodenfelche 50-60cm gross wird. In nahrungsreichen Seen sind auch grössere Fische möglich.


Ihr Lebensraum

BielerseeDie Felchen waren einst nordische Fische. Sie sind mit der Grossen Schmelze Ende der letzten Eiszeit vom Norden her bis zu den Alpen gelangt. Gegen Süden stellten sich ihnen die Alpen als unüberwindliches Hindernis entgegen. Beim Zurückgehen des Eises blieben große Seenbecken übrig. Diese mit Süsswasser gefüllten Seenbecken bildeten den ursprünglichen Lebensraum unserer Felchen. Typische Felchenseen haben eine Größe von 200 ha bis hin zu riesigen Seenbecken wie dem Neuenburgersee 218 km2. Die Tiefe ist meist 30 m und mehr. Die Temperatur in diesen Tiefen bewegt sich meist um 2-6°C. Die großen Seen haben einen hohen Sauerstoffgehalt. Da durch künstlichen Besatz auch in kleineren Seen Felchen eingesetzt werden, kann man fast in jedem See auf diese Arten fischen.

Schweiz, Süddeutschland, und Österreich sind die Hauptfanggebiete der Felchen. Auch in den skandinavischen Seen sind Felchen zuhause. Ihre Verbreitung umfasst ca. zwei Drittel von Europa.


Ihre Nahrung

Mageninhalt / ZuckmückenlarvenLange Zeit, hielt man den Fang von Felchen für nicht möglich. Man war der Meinung, sie seien reine Planktonfresser. Nach und nach stellte man durch Magenuntersuchungen fest, dass die Felchen auch gröbere Nahrung zu sich nahmen. Je nach Jahreszeit, stellen sich die Felchen auf die Nahrungsquelle der in Massen vorkommenden Mückenlarven ein. Grosse Bodenfelchen zeigen räuberische Aktivitäten und vergreifen sich am Laich und der Fischbrut. Die Felchen essen in der Regel Mückenlarven und deren Puppen und wenn es wärmer wird, stellen sie auf Plankton um. In den Frühjahrs/Sommermonaten kommt es vor, dass die Felchen an der Wasseroberfläche Flugnahrung zu sich nehmen. Am Bielersee konnte ich dieses Verhalten viele male beobachten. Die Felchen passen sich hervorragend ihrer Umgebung an. Hat es genügend Plankton, ernährt sich die Felche auch hauptsächlich davon. Mückenlarven und Puppen nehmen sie nur noch zu deren Schlupfzeiten.

ZuckmückenlarveDas Verhalten der Felchen kann man aber nur als Richtlinie sehen und jeder Fischer muss seine eigenen Erfahrungen an seinem Gewässer machen. Die wichtigste Nahrung der Felchen sind Zuckmücken. Jeder Felchenfischer der einen Blick für die Natur und ihrer natürlichen Vorgänge hat, kennt das Bild. Die Mücken tanzen über den See und schwimmen nach ihrer Hochzeit erschöpft und sterbend auf dem Wasser. Die Mücken (Zweiflügler) sind mit ca. 4900 Spezies, davon leben alleine ca. 1200 Arten in Europa, die artenreichsten geflügelten Insekten. Ihre Larven und Puppen sind zu gewissen Jahreszeiten die Hauptnahrung der Felchen und werden durch unsere Nymphen imitiert. Die Zuckmücken Arten zu bestimmen ist für einen Laien unmöglich und für uns Fischer auch nicht nötig. Der Stellenwert dieser Insekten als Fischnährtiere ist sehr hoch. Durch ihre Vielfalt und Menge sind sie aus dem Nahrungsangebot der Felchen und der Fische im Allgemeinen nicht wegzudenken. In den planktonarmen Jahreszeiten, sind sie die Hauptnahrung der Felchen. Die grossen Bodenfelchen fressen gerne deren Larven.

Wenn es wärmer wird, ziehen die Felchen zur Nahrungsaufnahme in die flacheren Uferzonen. Der erfahrene Felchenfischer sucht speziell solche Stellen oder kennt die Zeiten wenn die Nymphen am häufigsten steigen.

Mit dem Wissen um die Vorgänge in der Natur macht Felchenfischen noch mehr Freude und erweitert unsere Beobachtungen am Gewässer und der Natur.

geschrieben am: 08. Oktober 2005 / RR


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