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Die Felchenrute


Die Felchenrute, ein unverzichtbares Gerät für alle Felchen-, Renken- und Maränenfischer, die mit der Gambe/Hegene den Coregonen nachstellen. Sie macht einen nicht zu unterschätzenden Anteil beim Fangerfolg aus – sie ist das eine Ende – unsere Nymphen das Andere. Wenn man nun mal von der Schnur absieht, ist sie der Teil, der uns die Aktionen am anderen Ende auf die unterschiedlichsten Arten zu erkennen gibt - und genau darauf kommt es bei der Felchenrute in erster Linie an!

Für Picasso war die Verbindung zwischen Genie und der Leinwand der Pinsel – bei einem Felchenfischer generiert die Rute die Symbiose zwischen Felchen fischen - und - fangen!


Felche Spezial Plus


Da das Thema Bisserkennung an der Felchenrute ein sehr interessantes, aber auch sehr komplexes Thema ist, möchte ich an dieser Stelle nicht zu Tief darauf eingehen. Doch im Wesentlichen kann man vereinfacht sagen: Sie muss eine feine Spitze haben, damit die nicht selten zarten Zupfer auch von Auge zu erkennen sind. Die Rute muss im Minimum eine halb parabolische Aktion aufweisen, nur so kann man eine Felche richtig drillen und sie schlitzt dabei nicht aus. Je filigraner und kompakter (reduzieren aufs Maximum) eine Rute gebaut ist, desto sensibler und feinfühliger wird sie - mal vorausgesetzt, der Rutenbauer versteht sein Handwerk. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass sie die vorsichtigsten Bisse über den Blank - bis hin zum Korkgriff in unserer Hand meldet. Praktisch alle Felchenfischer sind in erster Linie „Augenfischer“, dass ist auch bei mir so – doch sehr oft kann ich den Biss der Felche spüren, noch bevor ich eine Aktion an der Rutenspitze erkennen kann.

Viele Freunde und Gastfischer die mich im Laufe der Zeit auf eine „Felchentour“ begleitet haben und mir dabei auf die Finger, bzw. auf die Rutenspitze geschaut haben, konnten zu Anfang nur schwer verstehen wie denn so was möglich ist und attestierten mir Attribute wie „Felchenkönig“ und „Hellseher“ oder andere wollten mich gar in den „Götterolymp“ hieven. Zugegebenermassen schmeicheln natürlich auch mir solche Lobeshymnen, doch ich kann euch allen versichern, auch ich koche „nur“ mit Wasser. Das „perfekte“ Zusammenspiel der Felchenrute mit der Hand der sie führt, resultiert aus der eigenen Erfahrung - dem Erlebten, dem Erkennen – und ganz wichtig, dem Aha – Effekt dabei.

Dies mag nun für einige sehr kompliziert ausschauen, aber, dass ist es keineswegs. Felchenfischen, wie auch jegliche andere Fischereitechnik, hat immer etwas mit einer guten Portion Aufmerksamkeit zu tun. Setzt man nun ein gewisses Wissen voraus, gilt es ja nur noch eben dies aufmerksam umzusetzen. Zwingendermassen gehört für mich zu einer guten Portion Aufmerksamkeit auch immer eine gute Portion Konzentration – das ist wie Yin und Yang, schwarz und weiss – ohne das Eine macht das Andere keinen Sinn! Verbissenheit und Mühen dabei bringen rein gar nichts, im Gegenteil, Frust und Ärger machen sich breit. Wie so oft im Leben kommt die Erkenntnis von Innen und lässt sich von Mal zu Mal einfacher umsetzen. Ab dann kann man geniessen, dann kommt Freude auf und die Zeit am oder auf dem Wasser wird einem unvergesslich in Erinnerung bleiben.


Stucki Felche Spexial


Felchenfischen kann man „nur“ mit einer Rute perfekt – wer diesbezüglich anderer Meinung ist, mit zwei oder mehreren Ruten für sich dennoch denn gewünschten Erfolg erzielt, der hat natürlich auch Recht und soll es auch meinetwegen weiterhin so handhaben – doch für mich gilt, „nur“ mit der Einen wird das Felchenfischen auch zum Genuss.

Nach meiner Faustregel halte ich es so: bis 40m Wassertiefe reicht eine Rutenlänge bis 2.10m – bis 60m darf es 2.40m sein und für alles was Tiefer gefischt werden muss, empfehlen sich Längen von 2.70m – 3.00m. Daraus wird nun schon einmal ersichtlich, warum man auf dem Bielersee beim Felchenfischen mit einer Rutenlänge von 2,10m ideal zu Gange kommt, aber auf dem Thunersee in grösseren Tiefen halt mit einer etwas längeren Rute evt. besser bedient wäre. Die Erklärung dazu ist relativ einfach: In grösserer Wassertiefe bindet man in aller Regel die Nymphenabstände an der Gambe/Hegene immer weiter auseinander, damit man eine grössere Wasserschicht auf einmal mit Ködern abdeckt. Nun wird es nur noch logisch – längere Gamben/Hegenen brauchen einfach längere Ruten - ansonsten könnte spätestens die Landung zum Problem werden. Aber, dass ist noch nicht alles. Weil gerade die Suche in tiefen Wassern auch immer einen gewissen „Mehraufwand“ darstellen und man um dem entgegen zu wirken ja auch längere Montagen verwendet, bringt einem die dazu passende längere Rute noch den Vorteil, dass dadurch die Wegstrecke beim Heben und Senken zusätzlich verlängert wird.


Speedmaster Coregonus


Auf die Frage wie viele Felchenruten man denn brauche habe ich für mich jeweils schnell die Antwort gefunden – für mich ist eine 2.10m lange, möglichst leichte, schnelle und dennoch vollparabolische Rute - die „Perfekte“ – mit der ich bis heute noch an jedem Gewässer erfolgreich Coregonen fangen konnte. Für mich ist das wichtigste an einer Felchenrute, dass sie erstens der Wassertiefe entspricht und zweitens, dass sie demjenigen der damit fischt auch in die Hand passt. Sie muss möglichst leicht und fein nervig sein, sowie zum perfekten ausbalancieren von Rute und Rolle mit Schieberinghaltern ausgestattet sein – und – die Spitzen müssen austauschbar sein. Somit ist auch klar, ich bevorzuge auf jeden Fall eine dreiteilige Felchenrute.

Die besten Materialien für eine Felchenrute sind für mich nach wie vor Kohlefaserstoffe (Carbon). Versuche in der Vergangenheit mit Beimischungen der verschiedensten Zusatzstoffe wie Boron, Kevlar oder Whisker haben sich nicht durchgesetzt und sind grösstenteils auch schon länger wieder vom Rutenmarkt verschwunden. Einzig die Verwendung von Biofasern (Biofibre) durch die Firma Shimano finde ich noch, sagen wir mal, im „Grünen Bereich“. Die Blanks sind zwar am Anfang recht schnell, aber mit der Zeit ….. Hoffen wir mal, dass die Neue Shimano Coregonus Serie mehr hält, als die Alte versprach.


Swiss Felche Sensitive


Für einmal mehr möchte ich betonen, dass solche Empfehlungen immer relativ und schon gar nicht allgemeinverbindlich gehandhabt werden können. Fischen ist und war schon immer in hohem Masse eine „Kopfsache“, nur wenn es da stimmt, kommt auch der Rest zu passen! Nehmen wir mal zwei solche Beispiele: Der Peter vom Zürichsee baut seine Ruten persönlich um und fischt mit „seinen“ 1.58m/43gr kurzen/leichten Gerten sehr erfolgreich auf Felchen. Die Rute ist viel weniger windanfällig, die Spitze ist näher am Auge und deshalb auch besser zu sehen und sie wird durch das Einkürzen feinnerviger – das sind für Peter die Faktoren die ihn mit einer kurzen Rute fischen lassen – für ihn stimmt es eben perfekt. Beim Emil sieht die Geschichte auf dem Bielersee dagegen ganz anders aus. Er bevorzugt eine Felchenrute von 2.70m – 3.00m und weil in diesen Längen nach seiner Einschätzung nichts „brauchbares“ auf dem Markt ist, baut auch er seine Rute selber um. Er verlängert eine „gute“ 2.40iger im Handteil auf die gewünschte Länge. Somit wird sie ergo länger, im Handteil steifer und er macht damit beim Heben und Senken mehr Wegstrecke. Dies sind die Gründe, eines ebenfalls erfolgreichen Felchenfischers, die für eine lange Rute sprechen. Runden wir die Geschichte noch damit ab: Wie ich schon erwähnt habe, komme ich auf beiden Seen mit „meiner“ 2.10er Gerte sehr gut zurecht.


Beastmaster Coregonus


Wie man nun unschwer erkennen kann, ist ein schneller und guter Tipp nicht immer einfach und er kann schon mal in die Hosen gehen. Wer neu mit dem Felchenfischen beginnen möchte, sollte, wenn er Geld sparen will, sich erstmal mit anderen Felchenfischern über Ruten unterhalten. Meist kennt man ja eh schon den Einen oder den Anderen Kameraden der sich damit auskennt und „seine“ für ihn passenden Warum`s und Wieso`s erläutern kann. Noch besser ist, man kann mehrere Fischer begleiten und deren Gerät mal wenigstens kurzzeitig testen. All denjenigen, denen sich ein solches Vorgehen nicht anbietet sei gesagt, mit einer Rutenlänge von 2.10m – 2.40m könnt ihr nichts falsch machen, damit kommt es überall zu passen. Was es sein darf entscheidet euer Geldbeutel und es hat erfreulicher Weise in jeder Preislage durchwegs nur gute und sehr gute Angebote – mit billigst Angeboten und „Schrott“ hat der Mark meiner Einschätzung nach mehr und mehr selber aufgeräumt – das kann sich in der heutigen Zeit keiner mehr erlauben.

Entscheiden muss schlussendlich jeder für sich selber – daran führt kein Weg vorbei. Wer anderen die Entscheidung überlässt, darf sich im Nachhinein nicht darüber beklagen. In diesem Sinne!


geschrieben am: 21. November 2009 / RR


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