Wer Felchen verführen will, der muss zuerst seine Nymphen an der Gambe/Hegene so führen und anbieten, dass sie unwiderstehlich wirken. Gibt es die ultimative Variante? Nein, sie ist die Fiktion eines perfekten Fischers. Ein zeitloser Mythos, der in Hunderten von Variationen die Fantasien der Felchenfischer bevölkert, durch ihre Erzählungen und Legenden geistert. Felchen verführen ist eine magische Kombination aus Talent, Fachwissen und einem feinem Gespür für die Abläufe in der Natur. Die Kunst der Verführung zu verstehen, ist die Grundvoraussetzung für eine spannende und erfolgreiche Felchenfischerei. Die Verführung ist der wichtigste und oftmals entscheidenste Teil vom Ganzen.
Das Fischen mit der Gambe / Hegene ist eine einfache und fängige Technik auf viele Fischarten, die sich in Grundnähe oder auch im Zwischenwasser aufhalten. Sie verlangt aber ein Minimum an Kenntnissen und Geschick. Es ist immer von der Jahreszeit bzw. Wassertemperatur abhängig, welche Präsentation erfolgreich ist. Je kälter das Wasser, desto feiner und gelassener werden die Nymphen geführt und desto länger dürfen die Zwischenstopps ausfallen. Je wärmer das Wasser und je aktiver die Fische herumziehen, desto intensiver darf die Präsentation sein. Viele Einsteiger führen die Nymphen viel zu schnell und zu heftig. Das Geheimnis liegt in der Ruhe und dem Einklang mit der Natur. Das Motto lautet: „Weniger ist oft mehr!“
Die Abläufe der Gezeiten, die Wahl des Platzes, die Nymphenwahl, die Freuden beim Fischen, bis hin zum Fangerfolg. Alles zusammen auf einen Punkt gebracht, wird aus dem Hobby Felchenfischen eine Passion.
Felchen lassen sich gerne Verführen. Am einfachsten ist es, wenn sie am Gewässergrund lebende Insekten jagen, oder kapp darüber aufsteigende Puppen fressen. Auch im Zwischenwasser, wenn sich das Plankton gebildet hat, lassen sich die Felchen gut zum Anbeissen überzeugen. Eine wesentliche Rolle spielt die Grösse der Schwärme. Je zahlreicher sie sind, desto härter der Nahrungsdruck / Konkurrenzkampf, umso hemmungsloser wird zugepackt. Kleinere Trupps haben mehr Zeit und können sich ihre Beute genauer betrachten. Sie reagieren oft erst dann, wenn unser Köder die „perfekte“ Verführung imitiert und den Schlüsselreiz zum Anbiss auslöst. Hier fängt die Kunst der Verführung an, im einfachsten Fall, wie vorgehend beschrieben, hört sie auf.
Die Kunst der Verführung beim Felchenfischen ist wie bei allen Künsten ein Thema ohne Ende. Was ich damit sagen will, für einmal gibt es keine Regeln, alles ist erlaubt. Verführen heisst experimentieren, herausfinden was „Heute“ den Anbiss auslösen könnte. Biete ich meine Nymphen zu Hoch oder zu Tief an, zu schnell oder zu langsam oder etwa zu ruhig oder zu zittrig an? Wie weit soll ich die Gambe/Hegenen hochheben, mache ich Zwischenstopps oder nicht, kann ich Felchen zum Anbiss reizen indem ich meine Montage genau so langsam absinken lasse wie ich sie gewohnt hoch ziehe? Soll das Bleigewicht auf dem Gewässerboden aufsetzen oder nicht, was bringen kurze, schnelle ruckartige Bewegungen? Die kurze Versionen der Antworten auf diese oder weitere Fragen lautet: „Erst der Versuch macht Klug!“
Dass die Kunst schon den Einen oder Anderen Künstler um den Verstand gebracht hat ist bekannt. Darum möchte ich betonen, auch wenn wir hier von der Kunst der Verführung der Felchen zum Anbiss sprechen, hier geht es um reale, natürliche Dinge. Praktisch alles ist/wäre erklärbar, halt manchmal eben nur mit den entsprechenden Doktortiteln. Da aber sicher die wenigsten von uns einen Solchen ihren Eigen nennen dürfen, die, die dennoch einen haben sollten mögen es mir verzeihen, kann ich allen versichern, den braucht es nicht um die Kunstfertigkeit der Verführung beim Felchenfischen zu verstehen. Jeder der eine Felchenrute halten kann ist in der Lage Felchen zum Anbiss zu verführen. Viele Details sind nachzulesen im Bericht: Der Tanz der Nymphen Weitere Erkenntnisse die ich im Laufe der Zeit dazu gewinnen konnte bestätigen das schon Geschriebene dahingehend, dass nach wie vor alles erlaubt ist und die unterschiedlichsten Kombinationen der Präsentations- Möglichkeiten immer wieder für Überraschungen gut sind.
Was spricht dagegen wenn man beim Heben und Senken für einmal mit der Rutenspitze zittert? Warum soll man nicht zwischendurch die Nymphen an der Gambe/Hegene schnell und ruckartig ein Stück hochheben um dann auf der Stelle 5 – 10 Sekunden Pause zu machen, mal ruhig, mal wippend? Warum nicht für einmal zügig nach oben ziehen und dann sehr langsam die Köder wieder absinken zu lassen? Wieso nicht die Rute in der Hand langsam 1 – 2 Meter nach einer Seite führen und dann auf der Stelle ruhig die Drift der Montage abwarten bis sie wieder in der Senkrechten steht? Fragen über Fragen die aber im Prinzip gar keine sind. Es sind vielmehr Ideen, die von der Fantasie beflügelt und erfolgreich umgesetzt wurden. Felchen verführen kann man lernen und das interessante dabei ist, man lernt ständig Neues dazu. Dies ist nur eine bescheidene Anregung, denn die Möglichkeiten bei der Kunst der Verführung der Felchen zum Anbiss sind unerschöpflich. In diesem Sinne!