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Felchen Nahrung – Was, Wann und Wie


Was die Felchen wann, und wie fressen. Dieser Bericht soll Einblick in die „Fressgewohnheiten“ der Coregonen gewähren. Er entstand im Laufe der Jahre aus verschiedenen wissenschaftlichen Dokumentationen (zsg. von: Dr. N. Schulz, Klagenfurt / A) und meinen eigenen, persönlichen Erfahrungen.

Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass Felchen im Laufe eines Jahres Zooplankton und Bodenorganismen fressen. Bei den kleineren Felchen überwiegt das Plankton, während sich die grösseren eher bevorzugt an die Bodenfauna halten. Unter dem Mikroskop wurden in Felchenmägen folgende Nahrungsanteile erkannt: Zooplankton, Fischlaich, Trichopteren (Larven), Mollusken und Chironomiden (Larven und Puppen), sowie div. andere benthische Organismen, die unter dem Ausdruck „Bodenfauna“ zusammengefasst werden.


Felche


Nebst dem, das die Felchen von Monat zu Monat unterschiedlich viel Nahrung aufnehmen, ist auch ein deutlicher Wechsel der Nahrungszusammenstellung bemerkbar. Zooplankton wird praktisch das ganze Jahr über aufgenommen. In den Monaten Januar bis Oktober macht das Zooplankton deshalb auch den grössten Anteil der aufgenommenen Nahrung aus. Fischlaich (auch Felchenenlaich) wird von Februar bis Mai im Mageninhalt gefunden, im Februar sogar bis zu 80 %. Beim Laichfressen sind die Weibchen stärker beteiligt - auf 1 Männchen kommen 5 Weibchen mit Eiern im Magen. Fabicius und Lindroth (1954) haben sogar ein Felchenpaar, das soeben abgelaicht hatte, beim eigenen Laichfressen beobachtet. Trichopteren (Larven) lassen sich nur im Juli und August in geringen Mengen finden. Mollusken sind ein fester Bestandteil der Felchennahrung von Mai bis September. Chironomiden (Larven und Puppen) werden von März bis Oktober und im Dezember gefressen. „Bodenfauna“ anderer Art findet sich regelmässig in den Mägen von Februar bis September. Fischnahrung (Brütlinge) werden jeweils kurz nach dem schlüpfen gerne als willkommene Nahrungsabwechslung angesehen. Nach Steinmann (1950) sollen die Schwebfelchen vieler Seen Fischnahrung (Brütlinge) fressen und auch die eigene Brut nicht verschonen. Schon Felchen ab ca 250gr (20cm) sollen zu Raubfischen (Kannibalen) werden.


Mückenlarven und Puppen


Die Hauptnahrungsaufnahme findet hauptsächlich in den Sommermonaten im Zwischenwasser, sowie auf dem Gewässergrund statt. In den Wintermonaten sinkt der durchschnittliche Sättigungsgrad und erreichte mit 0,05 % seinen tiefsten Wert im Januar. Die Zeit der geringen Nahrangsaufnahme fällt mit der Laichzeit der Felchen zusammen Schulz (1979). Erst nach dem Ausklingen der „verschleppten“ Laichzeit im Mai steigt die Nahrungsaufnahme wieder stark an. Es gilt noch festzuhalten, dass die Weibchen meist besser im Futter stehen als die Männchen und demzufolge auch öfters Grösser abwachsen.


Zuckmückenpuppe


Unter den Planktonfressenden Felchen gibt es wahre „Nahrungsspezialisten“! Sie sind in der Lage, von den vorhandenen planktischen Organismen eine ganz bestimmte Art herauszulesen. Frühere Wissenschaftler nahmen an, dass die Felchen durch reines Schwimmen die planktischen Nährtiere mit Hilfe ihrer Kiemenreusen aus dem Wasser filtern. Während Thienemann (1912) noch die enge Beziehung zwischen der Ausbildung der Kiemenfilter und der Art der Nahrung betont, sieht Zander (1903, 1906) die Hauptaufgabe der Reusendornen darin, Schmutz von Kiemen fernzuhalten. Nach Feststellung von Auerbach, Maerker und Schmalz (1924) und Haempel (1930) werden die Nährtiere nach Vogelart einzeln aus der Masse des Planktons aufgepickt. Zu diesem Zweck haben die Felchen - mit Ausnahme der Sandfelchen (Bodenfelchen) (Wagler, 1934) - ein teleskopartig, vorstreckbares Maul. Wagler weist durch Berechnungen nach, dass das Filtrieren des Wassers unmöglich den Nahrungsbedarf der Felchen decken kann. Er behauptet, dass die grossen Blaufelchen nur am Tage fressen und mit Hilfe der Augen eine Auswahl treffen. Wunder (1936) hält es für unwahrscheinlich, dass die kleinen, glasartigen Plankter im trüben Wasser vom Fischauge erkannt werden sollen, zumal bei den Augen der Coregonen keine Spezialeinrichtungen vorhanden sind, die solche Leistungen ermöglichten. Schiemenz (1932) macht den Geruchssinn für das Auffinden der Nahrung verantwortlich. Dagegen ergaben Untersuchungen von Wunder (1932) an Fischen in Aquarien, dass auch geblendete und der Nase beraubte Fische Plankton frassen. Wunder (1932) schliesst daraus, dass weniger der Geschmack, sondern „die Form der Beutetiere“ für das Auffinden von ausschlaggebender Bedeutung ist.


Zuckmückenlarven


In grösseren Tiefen eines Sees herrscht graues Dämmerlicht, das zwischen 20 und 30m Tiefe in seiner Intensität (nicht aber in seiner spektralen Zusammensetzung) ungefähr der Vollmondintensivität entspricht (ca. 1:500`000 der Sonnenbeleuchtung) Ruttner, (1962). Volles Sonnenlicht hat eine Beleuchtungsintensivität von ca. 100`000 Lux, die beim durchdringen der 30 m dicken Wasserschicht auf ca. 2`100 Lux vermindert wird. Diese Helligkeit müsste den Felchen für eine Auswahl der Beute mit den Augen genügen, wenn sich die Wahrnehmungen von Blaxter (1964), dass die Grenzlichtintensität für die optische Wahrnehmung beim Hering, auch auf die Felchen anwenden lässt. Braum, (1963,1964) nimmt an, dass die Felchen beim Fressen mit Sicherheit auf Licht angewiesen sind. Er stellte fest, dass Felchenlarven ihre Beuteobjekte bei der ersten Nahrungsaufnahme schräg von unten anschwimmen. Das hat den Vorteil, dass die Jungfische ihre Beute gegen die helle Wasseroberfläche besser erkennen können. Da die Felchenlarven noch keine Schwimmblase besitzen, besteht für sie die Notwendigkeit, sich durch schlängeln mit dem Körper vor dem absinken zu bewahren. Ausgewachsenen Felchen konnte er bei der Nahrungsaufnahme nicht beobachten.


Mageninhalt einer Felche


Fazit:

Das Nahrungsspektrum der Felchen besteht aus planktischen und benthischen Organismen. Felchen bis zu einer Grösse von 35cm fressen hauptsächlich Zooplankton (bis zu 75 %), der Rest der Nahrung ist „Bodenfauna“. Die grösseren Felchen - ab 40cm - nehmen nur 20 % Zooplankton auf, 20 % Chironomiden und 60 % Mollusken. Die Hauptnahrungsaufnahme der Felchen findet hauptsächlich in den Sommermonaten statt. In den Wintermonaten sinkt die durchschnittliche Nahrungsaufnahme massiv und erreicht ihren tiefsten Wert im Januar. Die Zeit der geringen Nahrungsaufnahme fällt mit der Laichzeit der Felchen zusammen. Auf Grund von div. Beobachtungen kann darauf geschlossen werden, dass die Zooplankton fressenden Felchen ihre Beute mit den Augen finden. Aus meinen persönlichen Erfahrungen unterstütze ich diese Aussage voll und ganz und bin mir sicher, die Sichtbarkeit und die Form unserer Imitationen (Nymphen) sind beim Felchenfischen klar der „Schlüssel zum Erfolg“. In diesem Sinne!

geschrieben am: 17. Oktober 2009 / RR


Quellenangaben: Dr. N. Schulz, Kärntner Institut für Seenforschung, Klagenfurt / A, Fabicius, Lindroth, Schulz, Thienemann, Zander, Auerbach, Maerker, Schmalz, Haempel, Wagler, Wunder, Ruttner, Blaxter, Braum, Steinmann


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