Muss es eine geflochtene Schnur zum Felchenfischen sein? Für mich kann ich diese Frage mit einem klaren JA beantworten! Wenn immer möglich, ausser bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, benütze ich beim Felchenfischen mit der Zupfrute eine geflochtene Schnur. Die Erklärung ist ganz einfach, durch den sehr geringen Dehnungseffekt im direkten Vergleich mit Nylonschnüren, lassen sich mit Hilfe geflochtener Schüren die feinsten Zupfer und zartesten Berührungen der Felchen um ein Vielfaches besser erkennen und spüren.
Auf dem gesamten Schnurmark herrscht was die Angaben zu Durchmesser und Tragkraft anbelangt ein regelrechtes Chaos. Wo bei Nylonschnüren die Durchmesser noch zu kontrollieren sind (von den Tragkraft Angaben sprechen wir auch hier lieber nicht), sind bei den geflochtenen Schüren Angaben im Umlauf, die sich jeder Hersteller gerade so zurecht bastelt (eigenes Messverfahren), dass die Angaben (bei Durchmesser sowie Tragkraft) in den allermeisten Fällen jenseits von „Gut und Böse“ liegen. Für mich heisst die Lösung Zertifizierung durch das EFTTA - Qualitätssiegel, nur dann, wenn alle Produkte unter denselben Bedingungen getestet, beurteilt und klassifiziert werden, sind die Resultate vergleichbar.
Bei den verschiedenen Angeboten an geflochtenen Schnüren, sind grosse Unterschied schon alleine von Auge erkennbar. Diese bestehen hauptsächlich in den verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. Was eine „Gute“ geflochtene Schnur ausmacht, hier ein paar interessante Angaben dazu: Dyneema ist eine Kunststofffaser, entwickelt vom niederländischen Chemiekonzern DSM. Dyneema ist eine hochfeste Polyethylen - Faser, die bei gleichem Gewicht bis zu 12 - mal zugfester ist als Stahl und 30 % fester ist als Aramid. Dyneema ist mit einer Dichte von 0,90 g/cm³ etwas leichter als Wasser und schwimmt deshalb. Die Faser ist sehr lange haltbar und hat eine hohe Beständigkeit gegen Abrieb, Feuchtigkeit, UV - Strahlen und Chemikalien. Verwendet wird Dyneema unter anderem zur Herstellung von Fischerschnüren, Fischernetzen u.v.M. Sie eignet sich deshalb besonders gut für tiefe, strömungsreiche Gewässer und weite Distanzen, weil qualitativ hochwertig verarbeitetes Dyneema bei gleicher Tragkraft entsprechend feiner im Durchmesser gewählt werden kann, sowie überall dort, wo man jeden Biss sofort spüren muss.
Die technischen Daten und Eigenschaften von geflochtenen Fischerschnüren werden ganz wesentlich durch das so genannte Tuning (Abstimmung) bestimmt. Wenn ein Spinnfaden die Spinndüse verlässt, dann ist dies zunächst ein so genannter Rohfaden und längst noch keine fertige Fischerschnur, denn jetzt beginnt ein vielstufiges Tuning – Verfahren. Zunächst durchlaufen geflochtene Fischerschnüre verschiedene Bäder, in denen durch Diffusion unerwünschte Bestandteile aus der Schnur entfernt werden und in denen ebenfalls durch Diffusion bestimmte Stoffe eingelagert werden. Dann werden die geflochtenen Fischerschnüre durch ein so genanntes Streckverfahren bis zum 6 – fachen der ursprünglichen Länge gestreckt. Durch diese Streckungen werden ganz erhebliche Steigerungen der Zugfestigkeit erreicht und diese werden dann jeweils auf die gewünschten Geschmeidigkeitswerte abgestimmt. Anschliessend erfolgen wieder Bäder, in denen die Oberflächen veredelt und die Gleit- und Ablaufeigenschaften von geflochtenen Fischerschnüren optimiert werden. Schliesslich werden bei den Spitzenprodukten in ganz gezielten Wärmenachbehandlungen (Temperungen bez. Drucktemperungen) die Knotenzugfestigkeiten weiter verbessert. Erst dann ist eine geflochtene Fischerschnur fertig hergestellt und bereit für den Einsatz am Wasser.
Stroft GTP ist eine geflochtene (polyfile), ebenfalls im Silikon - PTFE - Bad getemperte Fischerschnur, die aus zahlreichen hauchdünnen, zu 100% aus Polyethylen - Hochmodul-Fasern (Dyneema) besteht. Der Tuning - Schwerpunkt wird hier auf das Erreichen eines kreisrunden Querschnitts und einer möglichst geschlossenen Oberfläche gelegt. Die Stroft GTP Spezialflechtung (aus z.B. 300 x 8 = 2400 Einzelfäden, Tip 12) erzeugt einen nahezu runden Schnurquerschnitt. Diese Vorgaben werden durch eine sehr kostenaufwendige, sehr feste und dadurch kompakte Spezialflechtung erreicht. Dadurch werden die Wurf- und Ablaufeigenschaften erheblich verbessert, und dadurch unterscheidet sich Stroft GTP von allen anderen geflochtenen Schnüren der Konkurrenz.
Fazit:
Im Praxistest habe alle drei Oben abgebildeten Produkte den Einsatz mit Bravour bestanden. Beim verwendeten Material und der Verarbeitung (Flechtung) liegt die Stroft GTP (Typ 1 / 3 kg) klar an der Spitze, doch machen dies die Rapala Fishco Hegenenschnur (0.12 mm / 9 kg) und die Coregon Line von Stucki (0.25 mm / 12.9 kg) dadurch wett, dass sie alle 5m mit einer anderen Farbe eingefärbt sind. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Felchen ihr Futter im Zwischenwasser suchen, erleichtern einem die Farben das schnelle und problemlose wieder finden der interessanten Tiefen! Die Durchmesser- und Tragkraftangaben sind relativ und bei unseren Tests, mit Lauf- und Stationärrollen konnten wir keine Schwächen oder Beeinträchtigungen diesbezüglich feststellen. Ob Felchen, Egli oder auch mal einen Hecht an der Gambe/Hegene, die Schnüre liessen uns nie im Stich. Einziger Wehrmutstropfen den wir feststellen konnten, war das schnelle Ausbleichen der Farben an der Coregon Line von Stucki, wir meinen, dass ist noch zu verbessern. In strömungsreichen Gewässern empfiehlt sich immer der möglichst dünnste Schnurquerschnitt (Durchmesser) und in diesem Fall greife ich gerne auf die Stroft GTP (Typ 1 / 3 kg) zurück.
Alle drei Produkte erhalten von uns das Prädikat „Sehr gut“ und sind für den Einsatz zum Felchenfischen mit der Zupfrute bestens geeignet. Zu unserem persönlichen Favoriten erklärten wir die Rapala Fishco Hegenenschnur.
geschrieben am: 01. Mai 2007 / RR
Quellenangaben: Ich Danke der Firma Hebeisen Fishing für die interessanten Angaben zum Thema "Dyneema / Stroft GTP". Vielen Dank Freunde!