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Berichte rund um das Thema Felchenfischen. Viel Spass beim Lesen!


Der Rutenhexer


Der Rutenhexer


Stefan Grau beim Hobeln einer gespliessten AlbeliDer Rutenbauer Stefan Grau aus Bern ist seit seiner Kindheit angefressener Fischer und zugleich einer der innovativsten Rutenbauer unserer Tage. Als langjähriger Fischer hat er all seine persönlichen Erfahrungen in seine Fischruten einfliessen lassen, und sich hier über die Jahre bereits international einen Namen gemacht. Vor seiner Zeit als Fliegenfischer hat Grau auf alle möglichen Fischarten und mit allen denkbaren Techniken gefischt, so auch auf dem Thunersee und Bielersee nimmt er besonders im Frühjahr gerne selbst die Felchenrute zur Hand, um den Coregonen gezielt nachzustellen.

Albeli – eine neue Marke

Seine Arbeit und Erfahrung als Fischer, hat er auch in die neuen "Albeli" - Ruten einfliessen lassen (Albeli = Schweizer Mundartbezeichnung für Kleinfelchen), und bietet diese seit 2007 regulär an. Dies aus gespliesstem Bambus und somit in sehr exklusiver Form, oder aus moderner Kohlefaser. Grau hat schon vor 2007 gespliesste Felchenruten gebaut, jedoch galten und gelten sie noch heute als Geheimtipp. Propagiert hat er deren Bau eigentlich nie, es sind meist Insider die seine Albelis fischen.

Der heutige Trend in Mitteleuropa zu feineren Fliegenruten, hat ihn bewogen gleichzeitig seine Felchenruten zu modifizieren, immer mit dem Ziel auch hier Nischenprodukte fernab von der Massenware anzubieten. Seine historischen Kenntnisse über den Rutenbau, und auch über die ersten Felchenruten die es überhaupt gab, spiegeln sich in seiner aktuellen und kunstvollen Arbeit. Der Aufbau einer modernen Fliegenrute ähnelt in punktueller Betrachtung sehr den in Mitteleuropa, speziell in unseren Alpenstaaten gefischten Felchenruten. Aber wohl nur ein Felchenfischer, nein, eher eine Kombination aus einem solchen und einem Fliegenfischer wie Stefan Grau selbst, kann die Vorteile beider Arten in einem Werk vereinen.

Die "Albeli" haben sich im Verlauf von 2007 zu einem kleinen Renner in Grau`s Angebot entwickelt, ja die Lieferzeiten scheinen länger zu werden. Auf meine Anfrage ob Stefan Grau die Albelis nicht via Fachhandel vertreiben möchte, entgegnet er "gut Ding müsse seine Weile haben". Er sei kein Massenmensch und selbst kein Freund von Massenware, also biete er auch keine solche an. Er sei grundsätzlich nicht abgeneigt mit auserlesenen Fachhändlern zusammen zu arbeiten, aber dies würde einerseits der Preis seiner Werke hochtreiben, da Fachhändler ja zu Recht auch eine Marge erzielen müssten. Auch er müsse ein gewisses Einkommen erwirtschaften, und er kalkuliere lieber knapp und biete deshalb zu fairen Preisen, gemessen am grossen Herstellungsaufwand an. Der Spielraum für eine Preiserhöhung sei in der heutigen Zeit des enormen Überangebots bei Angelgeräten und den in Massen eingeführten Billiggeräten aus Asien schlicht immens. Besonders in Deutschland sei die Kundschaft sehr preisbewusst, andererseits führe die dortige „Geiz ist Geil Mentalität“ zu einem völlig falschen Wirtschaftsverständnis der Kunden.

Derzeit arbeitet er eigentlich nur mit einem einzigen Fachhändler zusammen, und dies auch nur saisonal. Für Beide sei dies am besten so, man würde sich auf diese Weise auch persönlich besser kennen lernen, was ja Beiden nur dienlich sei. Er sei zugegeben auch ein Bisschen vom hiesigen Fachhandel enttäuscht, das Personal scheine ihm, zumindest für seine zugegeben eigenen hohen Erwartungen, nicht immer genug kompetent. Über die verschiedenen Macharten der Fasergemische bei Angelruten wüssten nur sehr wenige Bescheid, kaum einer könne erklären was IM6, IM8 oder "Composite“ sei, kaufen solle man aber dann schon. Was eine parabolische Aktion sei wusste auch niemand so recht. Aber die Hersteller würden heute halt in den Katalogen auch mit an Fantasie anmutenden Begriffen um sich schmeissen, und oft habe er das Gefühl es handle sich hier nur um Marketinggags, denn als wahre Innovationen. Da sei halt vermutlich dann auch der Fachhandel überfordert. Wenn er sich aber im Internet selbst kundig machen müsse, weil er keine oder ungenügende Auskunft beim Händler erhalten würde, dann könne er ja beim Hersteller direkt, oder bei einem Discounter beziehen, und dies dann auch mit reinstem Gewissen.

Kundenähe und Service

Abdrehen der Albeli-Schubringe auf der DrehbankEinfach nur eine "Nummer" sein mögen weder er selber, noch seine Kunden und seine Werke. Auch das direkte Gespräch mit seinen Kundenschätze er sehr, denn gerade durch diese persönlichen Kontakte könne er Wünsche und Anregungen der Fischer jeweils sofort und direkt einfliessen lassen, was über den Zwischenhandel halt schwer funktioniere. Er wisse natürlich, dass nicht jedermann zu ihm nach Bern zu einem Kundengespräch anreisen könne, aber auch am Telefon hätte er sich bisher mit allen verstanden, und dieser Kontakt sei immer noch persönlicher, als einer "unter vielen in einem Gestell zu sein". Auch wolle er sich selbst sowenig Druck wie möglich aussetzen, denn er betreibe den Rutenbau in erster Linie aus Freude und gewollt nur nebenberuflich, und er habe nicht Lust Massenware am Fliessband zu produzieren. Sich von aussen dirigieren zu lassen, z. B. von einem Banker den vermutlich nur Umsatzzahlen, Shareholdervalue oder gar persönliche Bonusse interessieren, aber nicht was in der Welt wirklich abgehe, darauf könne er verzichten.

Schubring und Rollenfusshalter einer AlbeliEr wolle seine schon so knappe Freizeit auch der persönlichen Fischerei widmen, denn dadurch würde er immer direkt am Ball bleiben und bleibe lernfähig. Ein Computerprogramm könne heute zwar eine Angelrute entwerfen, aber selbst fischen könne ein PC nach wie vor nicht, und auch nicht dasselbe empfinden wie ein Fischer mitten in der Natur. Und genau diese Philosophie wolle er in seinen Werke einfliessen lassen, und nichts anderes. Stefan Grau will also bewusst Nischenprodukte fertigen, für eine erlesene Kundschaft, die es sich auch gewohnt ist, ihre Eckbank nicht in der Ikea, sondern beim Schreiner auf Mass fertigen zu lassen. Halt einer aus Kirschenholz, statt aus Pressspanplatten. Er erklärt so betrachtet sei er vielleicht ein Massschreiner des Rutenbaus.

Handwerkliches Geschick ist gefragt

Albeli-Korkgriff mit Edelweiss-AbschlussGrau`s Albeli enstehen zum grössten Teil wirklich in Handarbeit. Dies heisst natürlich nicht, dass bei ihm keine Maschinen zum Einsatz kommen, noch seien diese aber solche die von Hand und mit Geschick geführt werden müssten. Bei einer Gespliessten zum Beispiel erfolge ein wesentlicher Teil der durch das Hobeln von Hand. Und auch die Arbeit auf der Drehbank für die exklusiven Schubringe, erfordere doch eine gewisse Kenntnis vom Handwerk. Grau sagt, wenn man eine heutige Produktionswerkstätte eines grossen Angelgerätefabrikanten besuchen würde und dort fragen wer den Rutenkörper gefertigt habe, so würden sicher mehr als zwanzig Hände erhoben, ebenso bei der Frage wer die Ringe binden und wer den Korkgriff abdrehen würde. Bei ihm sei es immer die gleiche Hand die aufgehe, er sei halt noch einer zum Anfassen und ansprechen. Der Rutenkörper der gepliessten "Albeli" entsteht zu 100% in der Schweiz in Grau`s Atelier, die mehrteilige Version aus Carbon zum grössten Teil. Nur der Rutenkörper aus Kohlefaser bezieht Grau aus einer Fabrik in England, die ebenso klein und spezialisiert wie sein Atelier und seine Marke "Edelweiss-Fishing" ist. Das Aufbinden der Rutenringe, die Beschaffung und das Formen des Korks, das Drehen von Griffabschlüssen, gravieren und ziselieren, dies alles geschieht in Bern oder in Stefan Grau`s zweiter Heimat, dem Berner Oberland.

Ob er nicht Angst habe dass seine Ruten kopiert würden, frage ich Stefan Grau. Erstaunlich ruhig entgegnet er, damit müsse er jederzeit rechnen, er werde ja schon jetzt in der Schweiz kopiert. Erst recht heute, wo der Markt von chinesischer Billigware geradezu überschwemmt werde, sei der Konkurrenzdruck für alle Marktbeteiligten immer massiver.


Das Albeli-Logo, welches auf den Ruten


Es gäbe heute nur noch sehr wenige Fischerruten, die nicht aus China stammen würde, egal welcher Name darauf stünde, über kurz oder lang würden sich Kopisten aber immer selbst entlarven. Heute wo das Internet Einblick in fast alle Dinge des Lebens gewähre, sehe man bei genauem hinsehen sofort, wer wen kopiere und wer selbst innovativ genug sei. Er glaube sowieso, dass zunehmend wieder Originale gefragt seien, auch in der Fischereigerätebranche. Er würde seine Werke als Original betrachten, und seine Kunden würden genau solche Originale wünschen. Grau betont noch einmal, wie nahe er am Kunden, dem Fischer selbst sei, und dieselbe Sprache spreche. Ein Chinese müsse hier passen, der kenne weder unsere Felchen, noch wie man auf solche fischen würde.

Stefan Grau beim Binden der Laufringe einer AlbeliEr hätte vor einem Jahr sogar selbst eine Anfrage aus China erhalten, ob er er nicht beim Aufbau einer Fabrik für Fischerruten mithelfen könne, da habe er dankend aber auch bestimmt abgelehnt. Er helfe nicht mit, europäisches Handwerk zu zerstören. Wir Fischer würden und ja eigentlich schon etwas inkonsequent verhalten, da würden wir zig chinesische Angelgeräte kaufen, und zugleich wisse man, dass viele der chinesischen Fabriken die Umwelt mit den Füssen treten würden. Und dies schlage sich früher oder später auch auf unsere Alpenseen nieder, die Felchen würden schliesslich weder saure Seen, noch stetig steigende Temperaturen durch den fortschreitenden Klimawandel mögen. Die Chinesen seien zwar geschäftlich gesehen sehr clever, jedenfalls wenn es um Massenmärkte und billige Preise gehe, aber ein Qualitätsbewusstsein wie wir es hätten, seien ihnen fern. Wir könnten zwar durchaus und immer voneinander lernen, und auch dürften wir Europäer uns neuen Gegebenheiten nicht ganz verschliessen, darum halte er auch nichts von einer Schweizer Partei die das Rad der Menschheit dauernd zurückdrehen möchte. Aber genauso wenig halte er von der Abzockermentalität der europäischen Wirtschaft, die solche asiatischen Massenmärkte ja geradezu fördere, ohne dabei die langfristigen Umweltfolgen für unsere Heimatländer zu bedenken.

Wie eine Albeli entsteht

Bondelle – die „Albeli“ aus KohlefaserGrau`s gespliesste Albeli werden wie die traditionellen, gespliessten Fliegenruten aus Bambus hergestellt. Hierzu muss ein Bambusrohr zuerst in Streiffen (Spleisse) zerlegt werden, danach werden diese gerichtet und in einer Spezialform millimetergenau zurechtgehobelt. Für die sechseckige Form des Rutenkörpers braucht es sechs Spleisse, für eine zweiteilige Rute demnach deren zwölf. Die Spleisse werden anschliessend in einem Ofen getrocknet, um dem Bambus Feuchtigkeit zu entziehen, was ihn zugleich an Sprungkraft stärkt. Die getrockneten Spleisse werden mit Epoxid verleimt und geschliffen, der Rutenkörper mit einem Speziallack versiegelt. Darauf folgt das Abdrehen des Griffs, die Herstellung der Schubringe und des Griffabschluss auf der Drehbank. Die Ringe werden von Hand mit Rutenseide auf die Rute aufgebunden. Auf Kundenwunsch wird sie in einem exklusiven Alukoffer geliefert. Alles in allem braucht es für die Herstellung zwischen 10 und 15 Stunden, was den nur auf den ersten Blick hohen Preis erklärt. Kommen besondere Kundenwünsche hinzu, steigen auch die nötigen Arbeitsstunden. Der Rutenkörper der Albelis aus Kohlefaser (Carbon) stammt aus England. Die Kohlefasermatte aus einer flexiblen Faser wird um einen Stahlkern gewickelt und unter Hitze mit einem Epoxidgemisch verbunden. In Bern werden die Rutenkörper in Rohform angeliefert, die Lackierung erfolgt bei Grau. Auf Wunsch und gegen Aufpreis kann Grau übrigens jeden Rutenkörper in einer Wunschfarbe nach der RAL-Farbpalette anbieten.

Die „Bondelle“ mit exklusiven BindungenDas Aufbinden der Ringe und die Gestaltung des Korkgriffs erfolgt ebenso in Grau`s Werkstätte. Guter Kork ist übrigens immer wie schwieriger zu bekommen, weshalb Grau demnächst auf ein neues, günstigeres und erst noch besseres Korkmaterial umstellen wird. Inklusive all den Zollformalitäten bei der Einfuhr des Rutenkörpers aus England, sowie der eigentlichen Verarbeitung zu einer Felchenrute, kommt der Preis günstiger als bei einer gespliessten Albeli. Um den Qualitätsansprüchen Grau`s zu genügen, kommen trotzdem einige Arbeitsstunden zusammen. Der Preis liegt etwa in der Mitte der traditionellen gespliessten Albelis. Zur Kohlefaserversion ist ein Alu-Rutenrohr mit einer ziselierten Felche lieferbar. Alle Albeliruten werden von Hand mit weisser Tusche beschriftet und von Hand nummeriert, und meist wird auch noch der Name des Kunden oder der seines Lieblingsgewässers mit angebracht. Bevor eine Albeli - Rute die Werkstatt Richtung Kunde verlässt, fischt sie Stefan Grau, er sagt mir dies sei zwar aufwändig, aber noch eine richtige Qualitätskontrolle. Garantiefälle oder Reklamationen habe er fast nie, wer allerdings seine Ruten ohne Respekt behandle und beispielsweise in Autotüren zerbreche, oder das empfohlene Wurfgewicht überschreite und die Rute vergewaltige, dem gewähre er keine Garantie und es setze schon mal eine Schelte für die „Grobiane“ ab. Grundsätzlich würden seine Werke aber wie ein Ferrari behandelt, unter der Woche würden die Fischer die billigen asiatischen Ruten fischen, am Sonntag würden sie sich mit der Albeli etwas Gutes tun.

Ziseliertes Rutenrohr mit einer FelcheWas den an einer Albeli besser sei als einer anderen Felchenrute will ich wissen. Stefan Grau lächelt und entgegnet, technisch gesehen sei dies schwierig zu beantworten, denn heute gäbe es fast keine schlechten Fischruten mehr, wohl aber bessere und weniger gute. Er kommt wieder mit dem Auto-Vergleich und erklärt, ein luxuriöser Sportwagen sei auch nicht besser als ein Toyota 4 WD, aber man könne auch nicht Birnen mit Äpfeln direkt vergleichen. Man könne mit dem Sportwagen sehr wohl über eine Schotterstrasse fahren, aber wer würde dies schon tun. Der Sportwagen sei das Gefährt um sich Gutes zu tun, um Freude an schönem Material zu zeigen und sich einem Lebensgefühl hinzugeben. Auch die Albelis seinen quasi die Sportwagen der Felchenruten und für Fischer, die auf Besonderes setzen würden. Sicher verwende er sehr ausgewähltes Material und Komponenten für den Bau der Albelis, qualitativ seien sie sicher hoch stehend. Leider gäbe es hin und wieder schon Fischer, die meinten teure Materialien können man entsprechend rau behandeln, was natürlich nicht stimme. Nur wenige würden doch einen teuren Kaschmirpullover in die Waschmaschine schmeissen, auserlesenes Material heisse nicht, dass man damit machen könne was man wolle, es brauche schon ein wenig Pflege und Sorgfalt.

„Bondelle“ mit gelochten Schubringen passend zu klassischen AchsrollenBis jetzt würden viele seine Kunden die Albelis besser finden als andere Ruten, aber genau erklären wieso, könne es auch ihm gegenüber doch keiner so richtig. Aber das sei auch nicht nötig, Hauptsache das Team stimme, der Fischer und seine Rute, alles andere sei Haarspalterei. Trotz seiner Auskunftsfreude macht mich Stefan Grau freundlich aber doch bestimmt darauf aufmerksam, dass er nun in die Werkstatt zurück müsse, er habe noch eine Albelirute auszuliefern. Zwinkernd verrät er mir, dass er morgen auch selber fischen gehen wolle. Gönnen wir es ihm und hoffen zugleich, dass wir noch länger einige "Original-Albelis" aus seiner Hand sehen und fischen dürfen.

Auskünfte über die Albeli erhalten Sie bei:

Stefan Grau, Seftigenstrasse 20, 3007 Bern

Telefon (++41) (0) 31 372 91 85

Kontakt: orders(at)edelweiss-fishing.ch


geschrieben am: 06. Oktober 2007 / RR

Quellenangaben: Ich Danke Stefan Grau und Reto Emmenegger (Autor) für die interessanten und informativen Infos zum Thema Albeli - Felchenrutenbau!



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