In unseren Gewässern hat es eine Vielzahl an Nährtieren für die dort lebenden Fische. Für uns Felchenfischer ist es nicht unbedeutend, über die Arten und deren Gewohnheiten (Lebensrhythmus) bescheid zu wissen. Grosse und tiefe Seen sind meist natürliche Stillgewässer. Im Durchschnitt beträgt die Tiefe mehr als 2-3m. Es herrschen nicht mehr überall dieselben Temperatur- und Lichtbedingungen, weil der Wasserkörper zu gross ist. In Seen sind viele verschiedene Lebensräume anzutreffen und in ihnen herrschen unterschiedliche Lebensbedingungen. Zur Einfachheit unterscheiden wir zwischen der Gewässergrundzone (Benthal) und der Freiwasserzone (Pelagial). Die Lebewesen und Pflanzen, die am oder im Grund von Seen wachsen und leben bezeichnet man als Benthos, die Bewohner des Freiwassers entweder als Plankton (bis 2cm Grösse) oder als Nekton (Amphibien und Fische). Die Tiere die am Gewässergrund leben nennen wir Fischer Larven, im Freiwasser sprechen wir von Puppen und Zooplankton (Tierisches Plankton).
Mitunter das wichtigste für die Tiere die auf dem Gewässergrund leben, ist die Menge an Licht das durch das Wasser bis auf den Grund fällt. Man teilt die Gewässergrundzonen in zwei Bereiche ein, in einen hellen und in einen dunklen. Wasserpflanzen wachsen nur im hellen Bereich, man nennt diesen oberen Bereich die Uferzonen. Im dunkleren, tieferen und lichtlosen Bereich auf dem Grund wachsen keine Pflanzen mehr und diesen Bereich bezeichnet man als die Dunkelzone (Profundal). Je nachdem wie klar oder trübe ein See ist, kann die Grenze zwischen Ufer- und Gewässergrundzone (die so genannte Sprungschicht) ganz unterschiedlich tief liegen (Mittellandsee 10-20m, Bergsee 30-40m).
Auf die Uferzone (Litoral), den hellen, oberen Bereich möchte ich nicht weiter eingehen, dieser Abschnitt ist zwar für viele Fischarten (vor allem Brut- und Jungfische) von grosser Bedeutung, jedoch für uns Felchenfischer zweitrangig. Wir fangen in der Regel unsere Fische ab der Sprungschicht abwärts zum Gewässergrund hin.
Die Freiwasserzone (Pelagial) beinhaltet unterschiedliche Lebensräume. Vor allem im Sommer baut sich eine deutliche Schichtung im Wasserkörper auf, beeinflusst durch Temperatur und Lichteinfluss. Die Schichtung des Wasserkörpers ist nur so lange stabil, wie die oberen Bereiche deutlich wärmer sind als die unteren Freiwasserbereiche. Zooplankton (Tierisches Plankton), freischwimmende Larven, sowie aufsteigende Puppen halten sich in diesen Bereichen auf. Als Zooplankton bezeichnet man alle Tiere bis ca. 2 cm Grösse. Sie schweben und schwimmen im Freiwasser herum, sind aber dennoch von der Wasserbewegung abhängig. Die Vielfältigkeit dieser Organismen ist sehr gross und reicht von Einzellern über Rädertiere, kleine Krebse (Wasserflöhe, Ruderfusskrebse), Süsswasserquallen bis hin zu Wasermilben. Es gibt auch Arten, die nur einen Teil ihres Lebens im Freiwasser verbringen, z.B. Larven von Mücken, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Zweiflügler und Larven von Steinfliegen. Jedoch können diese Arten grössere Temperaturschwankungen vertragen als ihre Verwandten im Fliessgewässer. Die Vorliebe für eine bestimmte Zone kann sich je nach Entwicklungsstadium des Tieres bzw. der Tages- oder Jahreszeit ändern.
Nur wenige Arten kommen mit der dunklen, kalten und sauerstoffarmen Dunkelzone (Profundal) zurecht. Zuckmückenlarven, Schlammröhrenwürmer und Bodenbakterien sind wichtige Faktoren im ökologischen Gefüge eines Gewässers. Ein Hinweis auf den Ernährungszustand des Sees können die verschiedenen Arten von Zuckmückenlarven geben, die am Gewässergrund zu finden sind. Die Arten der Chironomus-Zuckmücken findet man in Seen mit hohem Nährstoffgehalt, da sie auch die Zeit ohne Sauerstoff überleben. In nährstoffarmen Seen leben nur die Arten der Tanytarsus-Zuckmücken, weil in diesen Seen bis zum Gewässergrund Sauerstoff vorhanden ist. Man bezeichnet diese Gewässer als Chironomus-Seen und Tanytarsus-Seen. Viele Arten sind nicht eindeutig einer Zone zuzuordnen. Manche Arten durchwandern im Laufe ihrer Entwicklung, mehrere Lebensräume, andere nutzen eine Zone als Ruhe- oder Laichgebiet und eine andere als Weide- oder Jagdgründe. Um Seen als Fischwasser zu nutzten, werden diese oft mit Fischen besetzt. Dies hat mit Sicherheit auch seine Auswirkungen auf das natürliche Ökosystem. Vor allem nährstoffarme Seen sind aufgrund künstlicher Nährstoffeinträge (z.B. über Landwirtschaft oder Luftverschmutzung) mittlerweile selten geworden und gelten unbedingt als schützenswerte Lebensräume. Ihre Artenvielfalt ist zwar nicht so gross, doch beherbergt sie eine besondere Fauna. Felchen, Saibling und Seeforellen sowie viele wirbellose Tiere wie die Zuckmückenart Tanytarsus, Höhlenasseln und Brunnenkrebse leben hier.
Seen sind nicht nur für die dort lebende Tier- und Pflanzenwelt wichtig, sie haben auch eine grosse Bedeutung für uns Menschen. Sind sie doch meist natürliche Wasservorkommen und vor allem aber die Fischgründe für uns Fischer!
geschrieben am: 22. September 2006 / RR
Ich Danke Günther Schmaus für die einzigartigen Bilder zu diesem Bericht. Weitere geniale Fotos: http://www.killi-foto.de/